Archiv der Kategorie: Materialtests

Hier werden Erfahrungen mit Schuhen, aber auch sonstigen Bekleidungsgegenständen beschrieben

Test: ZEM Terra Laufschuh

Die ZEM-Schuhe (http://www.zemgearswitzerland.com) sind relativ neu auf dem Markt.  Ich konnte neulich den Distributor bei der Marathon Messe kennenlernen und letzte Woche einen Test mit einem der Schuhmodelle durchführen.

ZEM Apex Laufschuh

ZEM Terra Laufschuh

Schuhtyp

Vom Schnitt her sind sie ähnlich wie die FiveFingers KSO, allerdings mit zwei grossen Zehensegmenten statt fünf kleiner. Die Spreizung (Absatz vs. Ballen) ist sehr gering, ca. 2-3 mm. Die Sohle besteht aus einem elastischen Material, das eine für Minimal-Schuhe moderate Dämpfung ermöglicht. Das Obermaterial ist recht dichte elastische Kunstfaser, mit verstärkenden Querstreifen. Der Schuh hat keine Schnürsenkel und keinen Klettverschluss, er hält nur durch das Obermaterial. Im Innenbereich ist die Verarbeitung sehr glatt, nur das Fussbett hat eine strukturierte Oberfläche, die man leicht spürt. Der Abschluss am Knöchel geht recht weit hoch und ist mit einem elastischen Rand versehen.

Passform

Man kann den Schuh sehr leicht anziehen, einfach reinschlüpfen. Das elastische Material passt sich an. Hier zeigt sich auch ein konstruktiver Vorteil gegenüber den FiveFingers: die Zehen fügen sich leicht an die vorgesehenen Stellen, man muss nicht lange suchen, um den Fuss in Position zu bringen. Auch ist der Schuh für eine grössere Breite an Fussformen geeignet. Weder dicke Zehen noch kurze Zehen machen hier Probleme.

Laufgefühl

Der Schuh fühlt sich beim Aufsetzen ähnlich an wie ein FiveFinger Bikila, vielleicht etwas weicher. Was auffällt, ist die elastischere Sohle, die zwar etwas mehr dämpft, aber andererseits auch spitze Gegenstände am Boden schneller an die Fusssohle weiterreicht. Beim mässigen Laufen ist der Schuh angenehm und neutral, unaufdringlich. Bei höherer Geschwindigkeit macht sich die vereinfachte Zehenkonstruktion nachteilig bemerkbar. Man bleibt nicht ganz so leicht im Schuh an derselben Stelle, rutscht also leichter mal nach vorne beim Aufsetzen, oder nach hinten beim Abdrücken.  Auch bei seitliche Manövern (z.B. Ausweichen, Kurven) verdreht sich der Fuss leicht gegenüber dem Schuh. Das elastische Obermaterial gibt dabei gerne nach und sorgt mit dafür, dass der Fuss über den Sohlenrand hinaus seitlich abrutscht. Durch das dichte Obermaterial waren die Füsse auch recht schnell verschwitzt.

IMG_0386Andere Modelle

Vom selben Hersteller sind auch andere Modelle verfügbar, über die an dieser Stelle auch bald berichtet werden soll.

Preis

Mit einem Kaufpreis von xxx CHF ist der Schuh günstiger als ähnliche Modelle von Vibram.

Fazit

Für ruhige Barfussläufer, die mit den Vibram FiveFingers Probleme in der Fussform haben, ist dieser Schuh sehr zu empfehlen. Für ambitioniertere Läufer, insbesondere im Gelände, ist der Halt im Schuh nicht stark genug.

Test: Black-Bear Bio-Energie Riegel

Ich kam neulich in den Genuss, einen neuen Energie-Riegel zu testen. Der Black-Bear Riegel (www.black-bear.at) unterscheidet sich deutlich von den gängigen Riegeln der grossen Hersteller. Das fängt schon bei der Verpackung an, die mit zwei separaten Päckchen zu je 35g sich hervorragend eignet, um mit der hungrigen Lauffreundin geteilt zu werden.

Die Farbe des Riegels ist auch aussergewöhnlich, da die Masse hauptsächlich dunkelbraun ist, mit einigen hellbraunen Stückchen.

Black Bear Energieriegel

Black Bear Energieriegel

Der eigentliche Clou sind aber die Inhalte. Durch die Verwendung von ausschliesslich natürlichen Stoffen ergibt sich ein sehr leckerer Riegel mit gut abgestimmten Inhalten für lange Aktivitäten. Etwa die Hälfte der Zutaten sind getrocknete Datteln, danach Süsskirschen, Mandeln, Cashews, Cranberries, Maca und Steinsalz.

Die Zusammensetzung ergibt entsprechend etwa 50% Kohlenhydrate vor allem mit verhältnissmässig niedrigem GI-Wert, 14% Fett (angenehm magenschonend bei Ausdauerleistungen), 8% Proteine und 8% Ballaststoffe.

Der Geschmack ist angenehm, etwas säuerlich (gut für den Speichelfluss), nicht zu süss, recht komplex durch die Nüsse und das Salz. Man muss etwas kauen und kann den Riegel nicht in Eile runterschlingen, dafür hat man mehr davon.

Durch den fruchteigenen Zucker sollte man keine allzu schnelle aufputschende Wirkung erwarten, im Gegenzug macht der Riegel aber recht lange satt.

Black Bear Energierigel

Black Bear Energierigel

Ich kann mir gut vorstellen, dieses Produkt bei langen Ausdaueraktivitäten, vor allem auf dem Rad, dabeizuhaben. Der Preis ist etwas hoch (CHF 7.90 pro Doppelpack), aufgrund der natürlichen Zutaten, die fast alle ausser dem Salz aus biologischen Anbau stammen. Dafür bekommt man aber auch etwas abwechslungsreiches von der sterilen Chemie-Kost und fühlt sich ein wenig wie ein Steinzeit-Sportler, der vielleicht ähnliches gegessen hat.

Testbericht Vibram FiveFingers SeeYa

Als ich letztes Jahr gesehen habe, dass Vibram einen neuen FiveFingers-Schuh herausbringt, der speziell als Wettkampf-Schuh für Strassenläufe gedacht ist, musste ich ihn mir natürlich möglichst schnell besorgen. Seit ein paar Wochen habe ich ein Paar „SeeYa“ und kann nun etwas über meine Erfahrungen schreiben. Da er ein ausgesprochener Strassen-Rennschuh ist, möchte ich ihn vor allem mit dem Bikila vergleichen, der bisher mein Favorit in dem Bereich war.
Aussehen und Farbe:

Wie der Name schon sagt, er ist gut zu sehen! Das Neon-Gelb leuchtet sehr stark und die grauen Teile sind Reflexmaterial. Der Schuh ist also perfekt zum laufen in der Nacht.

Gewicht und Grösse:

Der Schuh ist extrem leicht. In meiner Grösse (44) ist er 142g schwer, damit also etwa 35g leichter als der ohnehin leichte Bikila. Möglich wird das durch verschiedene Design-Änderungen. Dazu gleich mehr. Der Schuh ist mir in 44 etwas zu gross, während ich Bikila in 44 trage, allerdings KSO Trek in 43. Das ist aber beim Rennen nicht tragisch, da schadet hinten der Platz nicht, da man sowieso auf dem Vorfuss landet.Bei nächster Gelegenheit werde ich mal einen 43’er ausprobieren.

Obermaterial:

Das Obermaterial ist sehr dünn und luftig, vor allem aber weniger gepolstertm z.B. oben auf dem Vorderfuss. Rund um den Knöchel ist auch keine polsternder Wulst mehr und selbst die Fersenpartie ist sehr dünn. Dadurch wirkt er zunächst es „wabbelig“, er schmiegt sich aber auch sehr gut an. Durch die dünne Struktur hat man nicht so schnell verschwitzte Füsse wie in den Bikila (oder noch schlimmer: Bikila LS). Auch im Winter kann ich gut damit laufen, ohne Socken, im Schnee würde ich ihn aber eher nicht anziehen, da er zu grosse Löcher im Material hat und zu rutschig wäre.

Sohle:

Neu am SeeYa ist auch das verschlankte Sohlen-Design. Abgesehen von einer sehr dünnen Mittelsohle kann man aussen auch sehr gut erkennen, wie der Mittelfuss-Teil statt normalem Material aus sehr dünnem, aber etwas festerem Material besteht. Der Schuh behält so seine Form, spart aber Gewicht an der Stelle, wo man es nicht braucht. Dieses Material soll auch gut schützen gegen Reizungen im Spann, z.B. durch spitze Steine. Auch im Bereich des Ballens ist das Material dünner und schlanker. Wie lang der Schuh durchhält bzw. wie schnell er sich abreibt, muss erst noch ausprobiert werden.

Laufgefühl:

Wie man auf dem Bild sehen kann, ist der SeeYa weniger steif als der Bikila im Hintergrund. Das fühlt sich beim Laufen grossartig an. Durch das geringe Gewicht hat man den Eindruck, gar nichts an den Füssen zu haben, die Füsse fliegen ganz von alleine. Da sich der Schuh gut an den Fuss anschmiegt, hat man ein sehr gutes Laufgefühl, mit gutem Grip auch in schnellen Kurven. Auf nassem Boden haftet die Sohle auch sehr gut. Im Gelände merke ich keinen grossen Unterschied zum Bikila, auch wenn die Sohle dünner ist.

Fazit:

Ein sehr gelungener Schuh, der meinen Geschmack sehr gut trifft. Auffällig, leicht, schmeichelnd am Fuss, mit sehr direktem Auftritt, wodurch ich eher noch leichter auf dem Boden lande. Damit schliesst sich der Kreis zu meinem ersten VFF, dem KSO, der auch sehr leicht war, aber weder innen sauber genug verarbeitet war für ein schnelles Rennen, noch eine ausreichend gute Sohle hatte für einen Lauf im leichten Gelände. Dieser Schuh kombiniert also das Beste aus dem KSO und dem Bikila. Meinen herzlichen Glückwunsch an den Hersteller!

Neues Material eingetroffen

Gestern ist ein grosse Paket mit meinen neuen Schuhen eingetroffen. Ich werde sie in den nächsten Wochen testen.

Neu dabei sind:

  • SeeYa: ein reiner Strassenrennschuh mit schlanker Sohle, besonders leicht
  • Spyridon: ein leichter Trail-Schuh

Wie ich bereits fesstellen konnte fallen die Grössen etwas unterschiedlich aus:

  • SeeYa ist etwa so gross wie der KSO Trek / KSO Trek Sport, da reicht bei mir Gr. 43
  • Spyridon fällt so aus wie der Bikila, da bräuchte ich eine Gr. 44

Leider habe ich aber nur einen Spyridon in 43, werde das Testen also meiner lieben Gattin überlassen müssen.

 

Mehr demnächst in Materialtests.

Der Bikila ist mein Lieblingsschuh für Training und Wettkämpfe auf der Strasse. Die Sohle hat einen grossartigen Grip, bei Trockenheit und bei Regen. Der Schuh ist innendrin besonder geschmeidig verarbeitet, damit der Fuss nirgends aufgerieben wird. Die Dämpfung ist selbst nach VFF Standards sehr gering. Der Schuh ist besonders leicht und das Material wärmedurchlässig, was vor allem im Sommer von Vorteil ist. Die Farben sind sportlich-frisch und das Design eindeutig FiveFingers. Wer mit diesen Schuhe läuft, wird öfters angesprochen!

 

Es gibt ihn auch als Bikila LS, also mit Schnürsystem, der ist allerdings deutlich wärmer, da das Obermaterial dicker ist, und er ist auch etwas schwerer.

 

Link

Der Vibram FiveFinger KSO Trek ist der ideale Laufschuh für Trail-Läufe im Sommer und im Winter. Das Obermaterial besteht aus dünnen, festem und weichem Känguruh-Leder. Es ist angenehm bei jeder Temperatur, man schwitzt nicht drin und es trocknet schnell, wenn man mal durch eine Pfütze oder durch einen Bach laufen musste. Auch bei mehrstündigem Laufen durch Schnee oder Regen hat sich dieser Schuh bei mir sehr bewährt.

Die Sohle hat einen guten Grip, sowohl auf Feldwegen als auch auf steinigen Bergpässen. Man kann mit ihr aber auch gut auf der Strasse laufen.

Die Dämpfung ist mittel (für VFF). Der Verschluss mit einem Klettband funktioniert gut. Die Schuhe fallen etwas grösser aus als z.B. die Bikila.

1 Jahr Barfusslaufen in Vibram FiveFingers – Teil 3

Also, ich hatte ja versprochen etwas über das Laufen komplett ohne Schuhe zu sagen. Zufälligerweise hatte ich diese Woche etwas Spass damit. Es gab wunderschönes Wetter in der ersten Januarwoche. Der warme Südwind hatte den Schnee schmelzen lassen nach einer langen Kältephase, und die Luft fühlte sich weich und warm an, während die Strassen noch kalt und etwas nass waren. Ich bin über den Mittag laufen gewesen. Es war schon eine ganze Weile seit meinem letzten Lauf, über die Festtage. Als ich so in meinen VFF lief, merkte ich, dass ich nicht gut in Form war. In meinen Schritten traf ich den Boden mit einer Vorwärtsbewegung, die also Energie verbrauchte und die Haut aufrieb. Ich versuchte, meinen Stil anzpassen und mehr nach hinten zu ziehen, fand aber nicht das richtige Gleichgewicht.

Dann hielt ich kurz an, zog meine Schuhe aus (Socken habe ich sowieso nie an) und lief barfuss weiter. Ich hatte das schonmal versucht, als meine Füsse noch in besserem Training waren, letzten Sommer. Ich konnte sofort viel besser fühlen, wie meine Füsse auf dem Boden aufkamen und konnte den Energieverlust vom Bremsen und Beschleunigen des Fusses gleich reduzieren. Mein Körper kam wieder ins Gleichgewicht und ich konnte dieselbe Geschwindikeit wie vorher (mit Schuhen) erreichen, aber leichter und effizienter.

Tip 7: Zieht ab uns zu eure Schuhe im Training aus, besonders auf glattem Asphalt. Es tut nicht weh. Prüft die Geschwindigkeit des Fusses gegenüber des Bodens beim Aufsetzen. Bremst er? Kratzt er nach Hinten? Rotiert er seitlich? Probiert verschiedene Varianten auf und beobachtet, welche am besten für euch funktioniert.

Das ist vergleichbar mit der „Total Immersion“ Methode (http://www.totalimmersion.net), die ich beim Schwimmtraining verwende. Dort lernt man auch Übungen, mit denen man prüfen und sicherstellen kann, dass man im Gleichgewicht ist. Beim Barfusslaufen trainiert man dabei auch den Aufbau der festen Lederhaut, den man bei längeren oder schnelleren Läufen gut gebrauchen kann. Ich muss zugeben, dass ich dieses Mal das Training mit ein paar Blasen abgeschlossen habe, aber auch nur, weil es so viel Spass gemacht hat, dass ich am Ende noch ein paar Sprints ausprobiert habe.

Wenn ihr besonders vorsichtig mit euren Füssen umgehen wollte, weil ihr z.B. einen besonders langen oder harten/schnellen Lauf vor euch habt, dann kann es hilfreich sein, mit Leukotape die Füsse zu tapen, also ca. 3 Schichten um die Fussballen zu wickeln. Ich würde das aber unter normalen Bedingungen nicht empfehlen, da die Stimulation des Gewebes wichtig ist, um den Aufbau der Sehnen, Bänder und er Haut zu unterstützen.

Tipp 8: Verwendet Tape (Leukotape) bei besonders harten/langen Läufen, aber lauft lieber ohne Socken und Tape im Training.

1 Jahr Barfusslaufen in Vibram FiveFingers – Teil 2

Eine der grössten Überraschungen beim laufen mit den Vibram FiveFingers (VFF) war das Bergablaufen. Wenn ich in normalen Schuhen laufe, schlägt es mir recht hart auf die Knochen. Die Hacken hauen in den Boden (ausser wenn man mit sehr schnellen, kleinen „Mickey-Mouse“ Schritten läuft), der Meniskus wird stark belastet, die Oberschenkelmuskulatur (besonders der Quadrizeps) wird zunehmends härter und ermüdet. Aber vor allem ist man nicht wirklich schnell.

Mit den VFF ist das ganz anders. Um das zu verstehen muss man sich das Barfuss Laufen noch einmal vor Augen halten. Wenn man barfuss oder mit den VFF läuft, rennt man genau so, wie Menschen es schon seit Tausenden von Jahren gemacht haben, wenn sie Bären, Rehe, Gazellen oder ähnliches gejagt haben. Es ist reines Vorfusslaufen.

Bei der Landung auf dem Vorfuss ist der Fuss nach unten gestreckt. Auf wunderbar natürliche Weise fängt der Körper die Energie ab und speichert sie. Die Wade absorbiert die vertikale Energie, während die Ferse sich immer mehr dem Boden nähert. Bis die Ferse den Boden berührt, ist der Körper bereits vollständig abgefangen und die Ferse „touchiert“ nur noch leicht den Boden, es gibt also gar keine Schläge. Je vertikaler der Fuss bei der Landung ist, umso länger ist der Federweg. Es ist also gar nicht hart beim Laufen. Auch auf dem Ballen ist die Last nicht hoch, weil er zunächst ohne viel Last aufgesetzt wird.

Tipp 4: falls ihr merkt, dass die Ferse zu hart aufsetzt, oder dass der Ballen mit zu viel Gewicht am Boden landet, prüft eure Laufhaltung. Ist der Fuss nach unten gestreckt beim Landen? Sind die Knie leicht gebeugt beim Aufsetzen des Fusses? Wenn ihr nicht genug Kraft in der Wade habt, um den Fuss gestreckt aufzusetzen, dann ist die Muskulatur wahrscheinlich noch nicht stark genug. Nicht verzagen, einfach in ein paar Tagen wieder weitertrainieren.

Also, mit den Vibrams kann man sehr schnell bergab laufen. Man macht kleine, aber sehr schnelle Schritte. Die Waden nehmen den Schwung auf. Die Beine bleiben leicht gebeugt, das Knie ist nie durchgestreckt. Dadurch kann die Hüfte in einer geraden Linie bergab geführt werden und es gibt keine unnötige Auf/Ab-Bewegung. Dies entlastet die Muskulatur und die Gelenke.

Das ist auch die Erklärung, warum die VFF überhaupt segmentierte Zehen haben. Wenn ich dies mit anderen Schuhen versuche, rutschen meine Zehen nach vorne. Früher oder später sind die Zehennägel angelaufen und ich muss vor Schmerzen auf die Ferse wechseln. Bei den VFF ist das anders. Wenn die Schuhgrösse stimmt, dann ist es ähnlich wie bei einem gut passenden Fingerhandschuh: wenn man den Schuh nach hinten zieht, ist die Belastung zwischen den Zehen, nicht an den Zehenspitzen. Der Fusballen rutscht nie im Schuh hin und her, er ist immer auf derselben Stelle, egal ob man beschleunigt oder bremst.

Dadurch kann ich nun deutlich schneller bergab laufen als viele meiner Kollegen in normalen Schuhen. Obendrein macht es auch noch sehr viel Spass.

Tipp 5: bergab immer in kleinen, schnellen Schritten laufen. Dadurch werden grosse vertikale Bewegungen und Beschleunigungen vermieden. Die Trittsicherheit erhöht sich und die Füsse bleiben in einer Position, in der die gespannte Wade optimal die Federung durchführen kann.

Dazu muss ich noch eine Geschichte loswerden, von meinem ersten alpinen Ultra-marathon. Dieses Jahr bin ich den Swiss Alpine 78k Lauf in Davos gerannt, mit 2200m Auf-/Abstieg, grösstenteils auf Single-Trails, viele davon sehr steinig. Ich hatte meine geliebten Vibram KSO Trek Schuhe an, aus Leder mit einer leichten Stollenstruktur auf der Sohle. Mein Laufcoach, der im Gegensatz zu mir die Strecke kannte, bestand darauf, dass ich in den Schuhen nicht die Strecke laufen sollte, es wäre vor allem beim Abstieg vom Scaletta-Pass zu gefährlich. Ich könnte meine Füsse verletzen, den Fuss verdrehen oder sonstwie Schaden nehmen. Also hatte ich in der Wechselzone nach 42km meinen Rucksack mit meinen alten Nike Free Schuhen deponiert. Die waren eigentlich auch keine gute Wahl, da die Sohle zu abgelaufen war und die Schuhe von Natur aus keinen guten Halt bieten. Eigentlich hatte ich sie nur als bequeme Schuhe für die Zeit nach dem Rennen dabei.

Da ich für das sehr lange Rennen meine Füsse mit Leukotape unwickelt hatte, hatte ich aber grosse Mühe, die Schuhe auszuziehen, ohne die Fussohle zu zerreissen. Also habe ich stattdessen die Vibrams angelassen und bin mit den Nike Schuhen in den Händen weitergelaufen, damit ich sie bei Bedarf anziehen könnte. Das gab natürlich einen Haufen lustiger Kommentare von den anderen Läufern, von wegen „Vierradantrieb“ und so. Zu meiner eigenen Überraschung ging das Rennen auf den Wanderwegen und Natursteinen viel besser als erwartet. Die Zehen konnten den Boden gut „greifen“ und einen festen und sicheren Halt gewährleisten. Ich bin nicht gerutscht, meine Füsse haben sich reflexartig auf den Untergrund einstellen können.

Bergab konnte ich viele Läufer überholen, aus denselben Gründen, die ich bereits oben geschildert hatte. Da ich bergauf immer schön meine Wade gestreckt hatte, war die Muskulatur schön locker auf dem Weg nach unten. Am Ende des Wettkampfes, nach etwa 9 Stunden, konnte ich kaum glauben, wie frisch ich mich fühlte. Nur waren meine Arme sehr müde, da sie ca. 40km lang ein paar Schuhe von Nike getragen hatten.

Tipp 6: Wenn ihr bergauf lauft, nutzt die Gelegenheit, die Waden zu strecken. „Springt“ nicht den Berg hoch, sondern „schleicht“ hoch, behaltet die Füsse nahe am Boden und sucht mit den Zehen nach vorne in den nächsten Schritt hinein. Die Kraft kommt eher aus dem Strecken des Beines nach hinten und dem Austrecken des Fusses nach unten. Das streckt nicht nur gut die Muskeln, sondern vermeidet auch viel Energieverlust beim Aufstieg. 

1 Jahr Barfusslaufen in Vibram FiveFingers – Teil 1

(Diesen Artikel schrieb ich 2010 für meine Kollegen vom Sportverein LAC TV Unterstrass in Zürich)

Seit etwas mehr als einem Jahr bin ich Mitglied der Laufgruppe des TVU. Wer mich nicht persönlich kennt, hat sich vielleicht schon mal über meine lustigen Schuhe gewundert, die gerne als Enten- oder Gorillafüsse bezeichnet werden, es sind Barfussläufer-Schuhe von Vibram, sogenannte FiveFingers (VFF).

Ich möchte euch meine Erfahrungen erzählen und auch Tipps geben, falls ihr die Schuhe auch ausprobieren wollt.

Es hat alles im Sommer 2009 angefangen, als meine Schwester mir das Buch „Born To Run“ schenkte. Es erzählt von barfuss laufenden Indianern und Ultraläufern, die bei ihnen lernen.

Ich hatte in 2002 angefangen, regelmässig zu laufen, logischwerweise mit Einlagen, da ich schon seit meiner Jugend Senk-, Spreiz und Knickfüsse habe. Im Verbund mit einer Überpronation war ich also auf klassische Laufschuhe mit mittlerer Stütze angewiesen.

Bis 2005 war ich nur in solchen Schuhen gelaufen, als Nike einen neuen Art Schuh, den „Free“ herausbrachte. Ich probierte ihn aus, er war so schön leicht und das Gefühl ohne Stütze zu laufen war gar nicht unangenehm, eher befreiend. Erst zaghaft, später regelmässig benutzte ich diese Schuhe und merkte, wie meine Laufzeiten besser wurden und meine Beine weniger verhärtet waren nach den Läufen. Dabei wurde ich vom klassischen Fersenläufer zum Mittelfussläufer.

Eine erste Bewährungsprobe hatten die Schuhe bei einem Half-Ironman in Wales im selben Jahr, dann bei einem Ironman in Podersdorf im nächsten Jahr. Zur Sicherheit behielt ich aber auch ein Paar Mizuno Waverunner, die ich bei meinen ersten beiden Ultramarathons und verschiedenen Marathons in 2007 bis 2009 benutzte.

Jedenfalls hatte mich diese Erfahrung mit den Nike Free überzeugt, dass weniger Stütze einen besseren Laufstil und eine bessere Leistung erwirken kann. Feste Schuhe und die weiche Sohlen können zu schlechtem Aufsetzen des Fusses führen und verbrauchen viel zu viel der Energie in der Dämpfung, Kraft, die man beim Abdrücken brauchen könnte.

Also besorgte ich mir im Oktober 2009 aus den USA ein Paar Vibram KSO, Grösse 43 (ich trage i.a. 43, manchmal 44). Meine ersten Läufe waren 5 und 7 km lang. Ich fühlte mich wieder wie ein kleiner Junge, der aus reiner Freude losrennt. Meine Füsse dankten mir für die Befreiung. Die Beine waren froh, endlich wieder so laufen zu dürfen, wie die Natur es sich in Jahrtausenden der Evolution vorgestellt hatte. Unerwartet war das Laufgefühl gar nicht hart, obwohl keine Dämpfung eingebaut ist: 2cm Schaumgummi klassischer Laufschuhe sind kein Vergleich mit der Wirkung eines riesigen Stossdämpfers, genannt „Wade“, die beim Aufsetzen auf den Vorfuss die Belastung abfängt. Besser noch: die Wade speichert sogar die Energie wie eine Feder und gibt sie beim Abstossen wieder zurück!

Einziger Nachteil: nach den Läufen hatte ich Mühe, gerade zu gehen und lief etwas wie betrunken, da die Waden dieser neuen Anstrengung noch nicht gewachsen waren. Für einige Stunden konnte ich mich jeweils nicht mehr auf die Zehenspitzen stellen.

Meine Interesse an diesen Schuhen wurde dadurch aber nicht geschmälert. In der nächsten Woche konnte ich bereits 13km morgens ins Büro laufen und mein Ehrgeiz überkam mich, so dass ich abends dieselbe Strecke auch wieder zurücklief. Da ich mich auch noch im Dunkeln etwas verlief war alles etwas zu viel. Damit kommen wir auch zur ersten Empfehlung:

Tipp 1: geht die Sache langsam an. Eure Muskeln werden etwa 3 Monate brauchen um sich an die neuen Anforderungen anzupassen. Lauft nur 20 Minuten am Stück zuerst, wartet ein paar Tage bis der Muskelkater abklingt. Später könnt ihr das Training auf 30 und dann 40 Minuten ausdehnen.

Während sich die Muskeln bereits in 8-12 Wochen anpassen brauchen die Sehnen, Bänder und Gelenke länger. Manchmal hatte ich beim Aufstehen nachts oder morgens das Gefühl, dass meine Füsse sich noch zusammenballen, aber nach ein paar Schritten war alles wieder normal.

Im Lauftraining gibt es immer wieder schnelle Intervalle. Da ich ohne Socken laufe (es gibt zwar welche, aber meine Füsse sind so schon warm genug), kommt es mitunter zu starker Reibung auf der Haut. Daher mein nächster Tipp:

Tipp 2: Unterstützt die Füsse beim Aufbau der Hornhaut. Füsse nach dem Duschen gut abtrocknen, am besten Föhnen, evtl. mit Franzbranntwein einreiben. Für die schnellen Rennen kann man auch Tape um die Fussballen oder einzelne Zehen kleben.

Auch wenn die Haut mal abgerieben ist, macht es nicht viel aus. Sie baut sich schnell wieder auf. Allerdings bleiben mitunter Ablagerungen am Schuh innen kleben. Die können hart werden wie Sandpapier. Daher mein nächster Tipp:

Tipp 3: Wascht die Schuhe einmal pro Woche in der Waschmaschine. Sie sind dafür gedacht.

Motiviert durch die guten Erfahrungen bat ich meine Schwester in den USA, mir noch ein Paar zu schicken, die KSO Trek. Mit ihrem Obermaterial aus Känguruh-Leder und den Profilsohlen sind sie für Läufe auf rutschigem Grund, Matsch, im Regen oder Schnee bestens geeignet. Das sind im Moment meine Lieblingsschuhe. Das weiche Leder streichelt die Haut beim Laufen und die Temperatur ist immer angenehm. Letzten Winter hatte ich sie beim 30km Lauf im Schnee an der Aare an und die Füsse waren nie zu kalt, auch ohne Socken.

Das überrascht vielleicht zunächst, aber die Füsse und Waden haben viel mehr zu tun als in klassischen Laufschuhen. Die Blutversorgung im Fuss ist daher recht stark, und entsprechend gut ist auch die Temperatur. Wenn die Füsse mal nass werden ist auch nur wenig Material am Schuh, das wieder trocknen müsste.

Endlich, im April 2010 fühlte ich mich stark genug, auch durch das Training von Matthias Kuster, den Zürich Marathon in den neuen Schuhen zu laufen. Ich hatte seit November in keinen anderen Schuhen mehr trainiert. Meinen einzigen Versuch, wieder in Nike Free zu laufen musste ich abbrechen, es fühlte sich immer so an, als würde jemand Holzkeile unter meine Fersen schieben, kurz bevor mein Fuss landet. Es war zu langsam und unangenehm, nach 20 Minuten wechselte ich wieder auf die VFF.

Vor dem Marathon hatte mir noch keiner zu Tape an den Füssen geraten. Im Training waren wir nur auf dem Trottoir gelaufen, was weniger rau ist als die Strasse. Meine Beine waren zwar entspannt, aber an einer Zehe bekam ich eine Blase unter dem Nagel. Die Schmerzen wurden immer grösser, bis ich mich entschied sie zu ignorieren. Auf den letzten Kilometern konnte ich so noch Beschleunigen, obwohl bereits Blut aus meinem linken Schuh tropfte.

Die Anstrengung hatte sich aber gelohnt. Meine Bestzeit hatte ich von 3:27 im Vorjahr auf Nike Free zu 3:14 in den Vibrams verbessert. Ausser der blutigen Zehe hatte ich keine Verletzungen und meine Beine fühlten sich trotz des höheren Tempos besser an als früher nach solchen Rennen. Meine Herzfrequenz war durchwegs ungefähr 10 Schläge schneller im ganzen Rennen als sonst bei Marathons. Ich denke, es hat viel damit zu tun, dass mit den Waden zwei zusätzliche „Motoren“ zur Verfügung stehen, die aber auch vom Herz versorgt werden wollen.

Soweit war es also ein grosser Erfolg und motivierte mich zum Weitermachen.

Im Teil 2 werde ich auf weitere Themen eingehen: warum die Schuhe speziell bei Hügelläufen gut sind, warum sie einzelne Zehensegmente haben und wie man, je nach Modell, die Grösse auswählt. Ausserdem kann ich etwas über das Laufen mit nackten Füssen erzählen und wie man in schwierigem Gelände läuft.